Katholische Pfarrei St. Marien Limbach-Oberfrohna

Kirchenräume finden Anklang

Ein Volkshochschulkurs eröffnet ungewohnte Zugänge zu Gotteshäusern im Landkreis Zwickau

Tag des Herrn 20/2011 (15. Mai 2011)

Limbach-Oberfrohna. Mit seiner Veranstaltungsreihe „Klingender Kirchenraum“ will Markus Maurin nicht nur Sakralräume, sondern auch die Herzen der Besucher zum Klingen bringen. Am 5. Mai hatte er in die katholische Marienkirche Limbach-Oberfrohna eingeladen.

In anderthalb Stunden möglichst viel Fachwissen über Kirchengeschichte, Architektur und Kunst an den Mann und die Frau zu bringen, ist Markus Maurins Sache nicht. Bei seinen Kirchenführungen, die seit zwei Jahren einmal im Semester auf dem Veranstaltungsplan der Zwickauer Volkshochschule stehen, geht es ihm darum, den Geist einer Kirche erlebbar oder zumindest erahnbar zu machen.

Katholische und evangelische Kirchen, moderne und alte, Stadt- und Dorfkirchen im Landkreis nimmt sich der katholische Diplom-Theologe aus Zwickau dabei im Wechsel vor. Mit der Pfarrkirche Mariä Unbefleckte Empfängnis war seine Wahl auf einen avantgardistischen Kirchbau aus dem Jahr 1997 gefallen.

Gestalt gewordene Träume von erfülltem Leben

Die Vorbereitungen auf den 5. Mai hatte er mit einem Kirchenbesuch begonnen, bei dem er den Raum unvoreingenommen einfach auf sich wirken ließ. Seine ersten Eindrücke unterschieden sich dabei nur unwesentlich von denen seiner 16-monatigen Tochter, die ihn begleitete. Fasziniert hatte sie ihren Blick beim Betreten der Kirche in die Höhe gerichtet und nur ein Wort gesagt: „Licht!“

Große Glasflächen an den Wänden und ein Lichtband im Dach sorgen dafür, dass der Kirchenraum selbst in der Abendsonne noch sehr hell wirkt, offen und einladend. Durch das Licht werden die Blicke der Besucher nach vorne geleitet, zum Altar und zu einer hölzernen Kreuzesdarstellung. Auf die deutet Markus Maurin, während er die Besucher begrüßt: „Der eigentliche Gastgeber heute abend ist nicht die St.-Marien-Gemeinde, sondern er dort …“

Wortbeiträge, bei denen Markus Maurin seine Zuhörer immer wieder einlädt, sich mit ihm durch den Kirchenraum zu bewegen und andere Perspektiven einzunehmen, wechseln sich ab mit Musikstücken. Das Saxophon-Kontrabass- Duo, das für diesen Abend vorgesehen war, hatte wenige Stunden vorher abgesagt. Solo-Gitarrist Christian Nagel ist kurzfristig eingesprungen, erscheint mit seiner lebendigen Improvisation aber keinesfalls als Notlösung.

Die Musik eröffnet neue Akzente und verhilft manchem Gesagten zu tieferem Nachklang. Den bildreichen Worten des Kirchenvaters Proklos von Konstantinopel zum Beispiel, mit denen der Dozent das Patrozinium der Kirche von Limbach-Oberfrohna einordnet in die viele Jahrhunderte lange Geschichte der Christenheit mit der Gottesmutter Maria. Oder den Träumen von erfülltem Leben, die Markus Maurin anklingen lässt und dabei zugleich deutlich macht, wie sie in dem von der Gemeinde aktiv mitgeplanten Gotteshaus architektonisch Gestalt gewannen. Er spricht über den Traum der Einheit von Natur und Mensch, den Traum der Einheit von Mensch und Gott, den Traum einer Kirche, die offen ist, so dass sich in ihr Menschen begegnen, die miteinander unterwegs sind und als Gemeinde zusammenwachsen. Die Siebenteilung der Fensterflächen etwa steht für die sieben Gaben des Heiligen Geistes, die in der Mariengemeinde Wirkkraft entfalten sollen. Die dezente Struktur der Scheiben, die im Lichtspiel der untergehenden Sonne auch an die gegenüberliegenden Wandflächen geworfen wird, erinnert an Steine eines unvollendeten Bauwerks: Jeder darf mitbauen an dieser längst noch nicht vollendeten Kirche, kommt dadurch zum Ausdruck.

Kirchenfernen über die Kirchenschwelle helfen

Wer sich auf die Botschaft Jesu Christi einlässt, begibt sich auf einen Weg, erläutert der Referent, während er die Besucher durch den Raum führt. Erkenntnisse aus seiner Ausbildung als geistlicher Begleiter lässt er dabei ebenso einfließen wie die Erfahrungen mit Kirchbau und -umbau, die ihm sein Großvater, ein rheinländischer Glasmacher, vermittelt hat. Beim Marienbild, das die Gemeinde aus der Vorgängerkirche übernommen hat, stellt er das Ja, das Maria zu Gott gesagt hat, in Bezug zum Ja, das neue Gemeindemitglieder bei ihrer Taufe am gegenüberliegenden Taufbrunnen zum Ausdruck bringen. Auch das Bußsakrament ist eine Erneuerung dieser Antwort, sagt er. Dass er den Beichtraum von der darüber gelegenen Orgelempore aus ansteuert, ist kein Zufall: „Wer beichtet, steigt gewissermaßen in seine eigenen Tiefen hinab“, erläutert er. Mittlerweile ist die Dämmerung hereingebrochen. Die künstliche Beleuchtung gewinnt an Kraft und rückt das angestrahlte Kreuz hinter dem Altar noch einmal in den Blick. „Mitten auf ihrer Gasse auf beiden Seiten des Stroms stand Holz des Lebens, das trug zwölfmal Früchte und brachte seine Früchte alle Monate …“ liest Markus Maurin dazu aus dem biblischen Buch der Offenbarung.

Als kleine Oase in Limbach- Oberfrohna bezeichnet er das moderne Kirchengebäude, als Insel, in der man sich wohlfühlen und sammeln kann, bevor man verändert in den Alltag zurückkehrt. Der Raum biete Wege an, die im Alltag fortgesetzt werden können: Die hier erfahrene Zuwendung Gottes könne sich verwandeln in Zuwendung zu den Menschen der Stadt.

Kirchenfernen den Gang über eine Kirchenschwelle zu erleichtern ist eines seiner Anliegen. Er möchte Menschen auf den Geschmack bringen, sich intensiver auf die Wege einzulassen, die sakrale Räume eröffnen können, und das vor den Augen liegende auch mit dem Herzen zu betrachten. Selbst Gemeindemitglieder, denen ihre Kirche vertraut ist, bekommen bei seinen Führungen neue Impulse. „So spirituell habe ich meine Kirche noch nie erlebt“, bedankte sich eine evangelische Pfarrerin am Ende einer „Klingender- Kirchenraum-Veranstaltung“ in ihrer Dorfkirche. „Sie haben mir Wege aufgezeigt, über den Raum mit Menschen zu kommunizieren, von denen ich bisher nicht zu träumen wagte.“

Von Dorothee Wanzek