Katholische Pfarrei St. Marien Limbach-Oberfrohna

Der Traum von Afrika wird wahr

Frieda Stolle aus Limbach arbeitet für ein Jahr als Missionarin auf Zeit

Freie Presse 29. August 2006

Frieda Stolle geht für ein Jahr nach Kenia, um dort bei einem Resozialisierungsprojekt für Jugendliche mitzuwirken.
Foto: A.Seidel

Limbach-Oberfohna. Voller Erwartungen und Fernweh blickt Frieda Stolle auf das Jahr, das vor ihr liegt. Denn für die 18-jährige Abiturientin erfüllt sich endlich ihr großer Traum von Afrika: Als Missionarin auf Zeit bereist sie diese Woche den Schwarzen Kontinent, um in der kenianischen Hauptstadt Nairobi bei einem Resozialisierungsprojekt mitzuwirken.

„Für viele afrikanische Jugendliche sind Klebstoffschnüffeln und andere Drogen, Prostitution und Diebstahl an der Tagesordnung“, erklärt sie. „In diesem Projekt wird ihnen eine zweite Chance gegeben.“ Ein Jahr sollen die Kenianer sich bewähren und ihr kriminelles Leben hinter sich lassen.

Freiwillige haben sich auf harte Zeit in Kenia gut vorbereitet Die jungen Freiwilligen begleiten sie in dieser schwierigen Phase, unterstützen sie mit einem Musik- und Tanzprojekt. Wenn die jungen Nairobianer durchhalten, werden sie anschließend in einer Schule aufgenommen, die von der katholischen Missionsgesellschaft vom Heiligen Geist Stuttgart unterstützt wird. Dort können sie einen ganz neuen Lebensweg einschlagen. Die Stuttgarter Spiritaner sind Friedas Entsendeorganisation. „Ich wollte zu einem christlichen Dienst wegen der guten Be­treuung.“ Und die beginnt schon Monate vorm eigentlichen Abreisetermin. In verschiedenen Seminaren werden die Freiwilligen auf die harte Zeit in Kenia vorbereitet, lernen mehr über die Bibel und sogar über das Klosterleben. „In Kenia sind die Missionare auf Zeit auch zwischen Schwestern und Brüdern untergebracht“, erläutert die Jugendliche. In der „Mitlebezeit“ wird darum der Klosteralltag in drei Wochen beleuchtet.

Doch Kost und Logie in Deutschland wie in Afrika bezahlen sich nicht von allein. So ist das wohl wichtigste Vorbereitungsziel der Aufbau eines Solidaritätskreises. Der besteht aus Verwandten, Bekannten oder großzügigen Fremden, die von dem Projekt gehört haben. So gab der Limbacher Jugendchor ein Konzert, dessen Erlös ins Spendenkonto für den Afrikaeinsatz floss. „Mit diesem Geld bezahlen die Freiwilligen eine Unterkunft und Verpflegung, die in Kenia als Luxus gewertet wird.“

Dieser Luxus besteht zum Beispiel aus einem eigenen Zimmer ­ für viele afrikanische Jugendliche unerreichbar – in einem Haus mit Bad und Küche. Versicherung, Taschengeld, Organisations- und Seminarkosten werden ebenfalls aus den Spenden bezogen. Die Reisekosten muss Frieda allerdings selbst übernehmen. Dies ist ein Grund dafür, dass sie eine zwischenzeitliche Heimkehr ausschließt. „Außerdem gibt es einen geregelten Programmablauf, der nicht durch einen Urlaub unterbrochen werden sollte. So etwas erschwert das Einleben in den afrikanischen Alltag.“

Einsatz für andere steht auch im künftigen Beruf im Mittelpunkt Und das ist es schließlich, was Frieda sich von ihrem Aufenthalt in Kenia erhofft: „Ich will von den Menschen dort lernen, im Moment zu leben, glücklich und zufrieden zu sein mit dem, was ich hier habe.“ Denn das, findet sie, haben die Deutschen in einem von Arbeit und Routine geprägten Leben verlernt.

Die Hauptsache bleibt jedoch das Helfen. Die Jugendliche packt bereits in der Limbacher Kirchgemeinde bei der Jugendarbeit mit an und hat sich den Einsatz für andere zum Berufswunsch gemacht: Nach einem Religionspädagogik- oder Theologiestudium will sie als Gemeindereferentin arbeiten. „Der Freiwilligendienst als Missionarin ist sozusagen auch eine Vorbereitung auf mein späteres Leben.“